Warum gibt es die Zeitumstellung? Soll die Sommerzeitverordnung wieder abgeschafft werden?

Jedes halbe Jahr haben wir die Zeitumstellung, im Frühjahr wird die Uhr von der Winterzeit (Normalzeit) auf die Sommerzeit eine Stunde vorgestellt, so wurde es 1978 beschlossen.

Dadurch, dass es bei der Zeitumstellung statt 2 Uhr schon 3 Uhr ist müssen wir im Sommer morgens eine Stunde früher aufstehen, dafür haben wir es am Abend länger hell. Im Herbst passiert es dann genau andersherum, die Uhr wird wieder eine Stunde zurückgestellt.

Funktion der Zeitumstellung

  • Der Vorteil: Wir dürfen eine Nacht länger schlafen
  • Der Nachteil: Wir gehen im Dunkeln zur Arbeit (bei üblichem Arbeitsanfang zwischen 7 bis 8:30 Uhr) und unser natürlicher Bio-Rhythmus wird gestört.

Die Zeitumstellung wurde einst eingeführt um Energie zu sparen, dafür gibt es die gesetzliche Regelung zur "Sommerzeitverordnung". Allerdings hat das nie funktioniert, es gibt keine Energieeinsparung durch die Zeitumstellung. Die einst wirklich gute und innovative Idee hat einfach in der Praxis nicht funktioniert. Trotzdem wird bis heute an der Zeitumstellung festgehalten, das liegt einfach an der "Trägheit" des Gesetzgebers und des Volkes, das sich in den letzten 33 Jahren damit abgefunden hat, dass es diese Uhrumstellung alle halbe Jahre gibt, als ob es ein natürlicher Vorgang wäre.

Stimmen zur Abschaffung der Zeitumstellung mehren sich

Es gibt immer mehr Menschen, die große Probleme mit der Zeitumstellung sehen und diese veröffentlichen. Das Hauptproblem ist, dass der natürliche Bio-Rhythmus massiv gestört wird und zwar nicht nur von den Menschen, sondern auch von den Tieren, sowohl den Haustieren als auch den Tieren in der Landwirtschaft, denn alle müssen sich zwei mal im Jahr umstellen. Der Arzt Hubertus Hilgers hat hier umfangreiche Erfahrungen mit den Problemen der Zeitumstellung und eine Online-Petition gestartet, um zuerst einmal auf das Problem in der Öffentlichkeit aufmerksam zu machen. https://www.openpetition.de/petition/online/beibehaltung-der-normalzeit-...

Warum reagieren so wenige Menschen auf diesen Missstand?
Menschen, die gesund und kräftig sind, spüren von der ständigen Störung des Bio-Rhythmus relativ wenig, nach ein bis zwei Tagen haben diese sich umgestellt und das Leben geht ganz normal weiter. Ganz anders sieht das bei psychisch Kranken, schwächeren und älteren Menschen aus. Diese belastet die ständige massive Umstellung des Bio-Rhtythmus enorm. Allerdings hat auch genau diese Gruppe kaum Kraft sich noch zusätzlich zur Wehr zu setzen. Wer in "Kraft und Saft" steht sieht keine Veranlassung sich dafür einzusetzen. So "schwelt" das Problem seit Jahren vor sich hin. Die Piratenpartei hat das Thema mal aufgegriffen, wollte es als Programmpunkt sogar in den Bundestagswahlkampf aufnehmen, merkte aber, dass man damit keine Stimmen gewinnen konnte und "opferte" das Thema anderen populistischeren Themen.

Die Kranken, Schwachen und Alten Menschen haben in Deutschland keine Lobby.

Dabei betrifft das Problem auch unsere junge Generation, unsere Schüler. Nicht direkt bemerkbar, aber leise und schleichend. Die Störung ist nicht wie ein Autounfall oder Hundebiss direkt sichtbar, das wird auch der Grund sein, warum sich niemand daran stört oder die Zeitumstellung als Störfaktor erkennt. So führt die Zeitumstellung während der Umstellungsphase nicht nur bei Erwachsenen sondern auch bei Schülern zu Konzentrationsschwächen und damit auch zu schlechteren Schulnoten. Je nachdem wie sensibel ein Kind ist, kann das einige Tage, oder Wochen und sogar Monate sein. Schlechte Schulnoten sind also nicht nur eine Frage der Intelligenz und des Fleißes sondern auch eine Frage der zur Verfügung stehenden Konzentration. Diese auch noch absichtlich - ohne einen Vorteil zu haben - zu stören ist unverantwortlich. Dazu habe ich hier einen Artikel zusammengefasst: http://www.schlautipp.de/schlechte-noten-schule-zeitumstellung

Die Geschichte der Zeitumstellung

Grundsätzliche Informationen habe ich bereits hier in einem mehr Blogs veröffentlicht (http://www.schlautipp.de/zeitumstellung) und auch in Facebook gibt es die Informationsseite unter https://www.facebook.com/Gegen.Zeitumstellung. Wie die Geschichte der Zeitumstellung genau sich darstellt findet man dort im "Info"-Bereich unter dem Punkt der Beschreibung.

Die ursprüngliche Einführung der Zeitumstellung war bereits am 30.04.1916, damals gab es die Zeitumstellung im Deuschen Reich, in Österreich-Ungarn und später noch in Irland. Hier ging es zuerst einmal nur darum, die nutzbare Zeit - vor allem in der Landwirtschaft (und im Krieg) - zu vergrößern, so dass man das Tageslicht länger nutzen kann. Insbesondere im Krieg versprach man sich daraus große Vorteile. Der erste Weltkrieg fand von 1914 bis 1918 statt. Die Ur-Idee der Zeitumstellung ist also eine strategische Entscheidung aus dem ersten Weltkrieg gewesen.

Im Jahr 1975 machte man sich nach der ersten Ölkrise im Jahr 1973 massiv Gedanken, wie man Energie einsparen könnte. Man erkannte, dass bei steigendem Energiebedarf man selbst zu abhängig von anderen Staaten ist. So wurde das "Instrument der Uhrumstellung" angedacht, dass es Energie sparen könnte. Ab 1977 erfolgte dann in Europa schrittweise die Einführung der Zeitumstellung - oder wie man heute sagt - die Sommerzeitverordnung. In Deutschland wurde die Zeitumstellung bereits 1978 beschlossen, trat jedoch erst im Jahr 1980 in Kraft, also vor 33 Jahren. 1996 schließlich wurden die unterschiedlichen Sommerzeitregelungen in der Europäischen Union vereinheitlicht. Damit gilt die Sommerzeit in Deutschland einen Monat länger; sie dauert jeweils 30 oder 31 Wochen. Alles muss in Deutschland sauber per Gesetz geregelt sein, so wird die Zeitumstellung per Rechtsverordnung bestimmt. in § 5 Einheiten- und Zeitgesetz (EinhZeitG), hier ermächtigte das Bundeswirtschaftsministerium per Erlass die Verordnung zur Zeitumstellung. Bis einschließlich 2001 galt die Zeitverordnung von 1997, bis dann im Jahr 2002 mit § 1 Sommerzeitverordnung die Sommerzeit auf unbestimmte Zeit eingeführt wurde.

In welchen Ländern gibt es die Zeitumstellung?

Hier ist die Liste aller Staaten, die die Zeitumstellung eingeführt haben

1. Alle Mitgliedstaaten der Europäischen Union

2. Staaten, in denen eine Sommerzeit im selben Zeitraum wie in der Europäischen Union gilt: Albanien, Andorra, Armenien (bis 2011), Aserbaidschan, Weißrussland (bis 2011), Bosnien und Herzegowina, Jordanien (nur einen Tag früher), Kosovo, Kroatien, Libanon, Liechtenstein, Marokko, Mazedonien, Moldawien, Monaco, Montenegro, Norwegen, Russland (bis 2011), Samoa, San Marino, Schweiz, Serbien, Türkei (bis 2011), Ukraine, Vatikanstadt

3. Staaten, in denen eine Sommerzeit in einem anderen Zeitraum gilt: Australien (teilweise), Bahamas, Bermuda, Brasilien (nur in den äquatorfernen Bundesstaaten im Süden), Chile, Iran, Israel, Kanada (teilweise), Kuba, Marokko (nur 2008), Mexiko, Namibia, Neuseeland, Pakistan, Palästinensische Autonomiegebiete (oft abweichend von Israel), Paraguay, Syrien, Uruguay, USA (teilweise)

Gründe für Abschaffung der Sommerzeitverordnung

  1. Dass die erwünschte Energieeinsparung auch in Deutschland durch die saisonale Zeitumstellung nicht erreicht wurde, bestätigte die Bundesregierung 2005 auf eine Anfrage. Man wolle aber an der Umstellung festhalten, solange die Mitgliedsstaaten der EU nicht gemeinsam die Absicht hätten, die Sommerzeit abzuschaffen. Das Umweltbundesamt stellte keine positiven Energiespareffekte fest, da die Einsparung an Strom für Beleuchtung durch den Mehrverbrauch an Heizenergie durch die Vorverlegung der Hauptheizzeit „überkompensiert“ werde. Zu einer ähnlichen Einschätzung kommt der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft.
  2. Es liegen physiologische Studien vor, nach denen einige zirkadian schwankende Hormonspiegel, ähnlich dem des Stresshormons Kortisol, bis zu viereinhalb Monate brauchten, um sich vollständig den neuen Gegebenheiten anzupassen
  3. Psychologen und Mediziner haben negative Auswirkungen der Zeitumstellung festgestellt, da sich die Anpassung des chronobiologischen Rhythmus des Organismus als problematisch herausgestellt hat.
  4. Nach einer Studie von Imre Janszky und Rickard Ljung erhöht die Umstellung auf die Sommerzeit das Herzinfarktrisiko.
  5. Aus der Landwirtschaft ist bekannt, dass Milchkühe ein bis zwei Wochen benötigen, um sich auf die neuen Melkzeiten umzustellen. Besonders bei der Herbst-Zeitumstellung ist der veränderte Tagesablauf auf den Höfen am lauten Muhen einiger Kühe morgens deutlich zu verfolgen.
  6. Während die Zeitumstellung für die meisten Bürger sozusagen „im Schlaf“ erfolgt, stellt sie verschiedene Einrichtungen vor mehr oder weniger große Probleme. Einrichtungen mit nächtlichem Bereitschaftsdienst haben mit dem Problem zu kämpfen, dass entweder der Dienst eine Stunde länger oder aber die Ruhezeit eine Stunde verkürzt ist und somit eventuell nicht mehr den gesetzlichen Anforderungen genügt. Daher müssen häufig für die Tage der Zeitumstellung eigene Dienstpläne erstellt werden, was zusätzliche Kosten verursacht.

Daneben gibt es noch zahlreiche weitere Gründe, die im Detail dann auch bestimmte Personengruppen betreffen. Allerdings ist der "große Aufschrei" bisher trotz jahrelanger Aufklärungsbemühung ausgeblieben.
Warum gibt es diesen großen Aufschrei "noch" nicht?

"Die Menschen, die aufbegehren könnten - interessiert es nicht. Die Menschen, die es betrifft, haben nicht die Kraft aufzubegehren."
(Autor: Martin Brotzler)

Erfahrungen mit der Zeitumstellung von Menschen im Internet

Auf Facebook, Twitter und all den anderen sozialen Netzwerken und Communities im Internet berichten die Menschen über ihre Erfahrungen mit der Zeitumstellung. Anfänglich hatten noch Einzelne das Gefühl alleine mit dem Problem dazustehen, mittlerweile zeigt sich aber, dass immer mehr Menschen Probleme mit der Störung des natürlichen Gleichgewichtes haben. Es wird sogar schon gemunkelt: "Die Politik hält absichtlich daran fest, damit wir mehr gestresst sind und früher sterben. So wird das Rentenproblem gelöst". Nun, das ist natürlich eine stark überzogene Aussage, aber man darf gerne einmal darüber nachdenken. Auch dürfen wir gerne mal darüber nachdenken, ob die Häfung von "Burn-Outs" auch ein kleines bisschen mit der Zeitumstellung zu tun haben. Sie ist mit Sicherheit nicht der "große Auslöser" aber trägt unter Umständen schon im kleinen Maße auch dazu bei.

Meine persönliche Einstellung zur Zeitumstellung

Ich selber fühle mich in meiner Freiheit beschnitten, ein eigenverantwortliches Leben führen zu können durch die ständige Störung meines natürlichen Bio-Rhythmusses. Ich gehöre zu den Menschen, die sensibel und naturgebunden sind, daher habe ich oft wochenlang (bis zu 3-4 Wochen) Probleme mich an den neuen Rhythmus zu gewöhnen. Daraus resultieren schwere Nachteile auch für meine Berufswelt aber auch in meinem privaten Umfeld. Das Problem ist nicht nur, dass ich "mal eine Stunde verschlafen könnte", sondern dass ich komplett den ganzen Tag "gerädert" bin.

Die Auswirkungen sind globaler und größer als ein "Aussenstehender" zunächst annehmen könnte.

So kann es kommen, das dies dazu führt, dass man unkonzentriert und leistungsschwächer wird, letztlich sinken auch die soziale Kontakte, die Lebensqualität wird massiv negativ beeinträchtigt. Dies könnte man noch hinnehmen, wenn ein globaler gesellschaftlicher oder wirtschaftlicher Vorteil zu sehen wäre. Den gibt es aber nicht. Dann ist es auch nicht einzusehen, warum sich "sensible" Menschen unnötig mit dem Problem der Zeitumstellung herumquälen und sich alle halbe Jahre "foltern" lassen müssen. Ich habe jetzt ganz bewusst diese "schlagkräftigen" Begriffe gewählt, die in der Sache vielleicht etwas überzogen sein mögen, sie sollen aber auf das Grundproblem aufmerksam machen. Ich wünsche mir, dass sich immer mehr Menschen (am Besten über Facebook und die Online-Petition) anschließen und mithelfen die Zeitumstellung wieder abzuschaffen. Wir haben keinen Vorteil davon, wir brauchen diese nicht.

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Kommentare

Bild des Benutzers Martin.Brotzler

Die nächste Zeitumstellung in Deutschland findet am 27. Oktober 2013 (27.10.13) statt. Um 3 Uhr in der Nacht werden die Uhren auf 2 Uhr zurückgestellt.

Völlig unnütz - das wurde hinlänglich bewiesen! Bitte wieder abschaffen. Was die Russen können, sollte uns doch auch gelingen :-)

Eine sehr schöne Darstellung und ein schöner Abriss der jüngeren Geschichte der Zeitumstellung. Ich würde nicht so weit gehen und behaupten, „es gibt keine Energieeinsparung durch die Zeitumstellung“, sondern vorsichtiger formulieren, in der Summe gibt es volkswirtschaftlich keine Einsparung, denn sicherlich gibt es Bereiche, wo Energie gespart wird, aber sonst kann man die Intention des Textes nur unterstreichen. Auf unserer Seite de-kalender.de/zeitumstellung gehen wir ebenfalls auf das Thema ein, ohne dass wir aber der Kritik so viel Raum geben können, dafür aber haben wir eine Liste mit Links zum Thema, wo der Interessierte Argumente zur Abschaffung findet.

Wer nur „halb“ nachdenkt, ist für die Sommerzeit

Wer aber -richtig- nachdenkt, ist gegen die Sommerzeit !!!

Bild des Benutzers Martin.Brotzler

Am 26.10.2014 um 03:00 Uhr ist es wieder soweit, dann werden die Uhren umgestellt und zwar eine Stunde zurück. Damit haben wir wieder die Normalzeit - auch Winterzeit genannt.

Wie schön! Ich freue mich, dass immer mehr Menschen so denken wie ich!!! Ich war von Anfang an gegen die Zeitumstellung und ich habe mich bis heute nicht an sie gewöhnt! Ich wußte nur nicht, was ich als Einzelperson dagegen tun kann. Meine Hoffnung ist nun, dass sich immer mehr Menschen zusammenschließen, damit die Zeitumstellung endlich wieder abgeschafft wird!!